Universelle Einfachheit

Auf einer Website, die eine breite Gruppe von Menschen anspricht, machen grundlegende Schreibrichtlinien das Lesen für alle Besucher leichter. Unterschiedliche Benutzergruppen profitieren von denselben Text-Empfehlungen, wenn auch aus anderen Gründen.

Diese Aussagen habe ich beim Lesen des Artikels More Alike Than We Think von «UX matters» unterstrichen (auf Papier, mit Bleistift, im Zug):

  • Jugendliche bevorzugen Websites, die leicht zu überfliegen sind und visuelle Anhaltspunkte haben, gegenüber Sites mit dichtem Text.
  • Ältere Menschen überspringen Text, wenn sie auf unbekannte Begriffe stossen, und übersehen somit oft wichtige Informationen.
  • Websites sollten ältere Menschen nicht mit unnötigen Informationen beladen, die sie davon abhalten, ihre Aufgaben auf einer Seite zu erledigen.
  • Menschen mit geringen Sprachkenntnissen ignorieren oft Informationen, die ausserhalb des Haupt-Inhaltbereichs liegen.
  • Alle Benutzergruppen bevorzugten Seiten, auf denen Informationen in kleinen Einheiten dargestellt waren, mit kurzen Absätzen, die jeder einen Gedanken ausdrückten.
  • Ein Link, der die Worte der Benutzer enthielt, also «Was kostet das?», funktionierte besser als «Kosten für das Studium».
  • Beliebt waren Seiten, die die Fragen der Benutzer klar und direkt beantworteten.
  • Niemand beklagte sich, die Seiten seien zu einfach zu lesen oder zu simpel geschrieben.
  • Benutzer waren eher bereit für weitere Informationen auf einen Link zu klicken, falls auf der Seite bereits Teile ihrer Frage beantwortet wurden.
  • Falls der Absatz vor einem Link nicht hilfreich war, war die Erwartung gering, der Link würde witerhelfen.
  • Eine universelle Sprache für verschiedene Benutzergruppen kann sehr gut funktionieren.
  • Information, die für alle Besucher hilfreich und leicht benutzbar ist.

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen der verschiedenen Testgruppen ergaben sich folgende universellen Empfehlungen:

  • Vermeiden Sie lange, dichte Textblöcke.
  • Setzen Sie informative Überschriften.
  • Bieten Sie Navigationsmöglichkeiten im Kontext.

Laufend kleine Verbesserungen

Jared M. Spool:

  • Die erfolgreichsten Websites erfuhren nie ein umfassendes Redesign.
  • Die Idee von Redesigns oder Relaunches ist gestorben.
  • Kleine Änderungen wurden an vielen Stellen vorgenommen und neue Funktionen eingeführt.
  • Schalte kleine Änderungen auf! Beobachte die Reaktionen der Sitebesucher! Wenn etwas nicht funktioniert, kannst du die frühere Version wieder aufschalten.
  • Laufend kleine Verbesserungen, so machen es die Grossen wie Yahoo oder Amazon.

Frei zusammengefasst und übersetzt aus der Audio-Präsentation Scent, Search, and the Pursuit of User Happiness (MP3).

Mehr Mut für das kleine Gute. Das merke ich mir.

E-Mail ist Textkommunikation

Mit den Virenproblemen und den Spam-Filtern treten E-Mail-Besonderheiten zu Tage, die in sorglosen Tagen einfach übersehen wurden. Ein Blick auf Sinn und Zweck des Kommunikationsmittels E-Mail kann klären.

E-Mails haben einen Betreff. Wer eine E-Mail schreibt, füllt mindestens drei Felder aus: «An», «Betreff», «Nachricht». Der Betreff ist wichtig, weil er in der Inbox zusammen mit dem Absender angezeigt wird und so ein schnelles Auffinden von Nachrichten erlaubt. Viele geben keinen Betreff an. In der Inbox klafft dann eine weisse Lücke und niemand weiss, wovon die Nachricht handelt. Einige E-Mail-Programme warnen, wenn kein Betreff eingegeben wurde. Diese Warnung ist zwar nervig, doch im Grunde richtig.

Mit E-Mails kommunizieren Menschen. Im Betreff wird dem Empfänger in normalen Worten eine Information weitergegeben. Zum Kommunizieren benutzen wir menschliche Sprache; also alltägliche Wörter, einfache Sätze. Unmenschlich sind Dateinamen («0050600.jpg»), Zeichensalat («_-:~][~:-_») oder computergenerierte Meldungen («E-Mail schreiben an:»).

E-Mail ist Textkommunikation. E-Mails im Textformat transportieren Sprache — das genügt für die Textkommunikation. E-Mails im HTML-Format versuchen dazu Farbe, Gestaltung und Interaktivität zu transportieren. Darauf verzichtet man besser. HTML-Mails sind kleine Webseiten; sie gehören nicht in den Posteingang. Nicht jeder Empfänger will HTML-E-Mails akzeptieren weil sie bösartiken Code enthalten können oder einfach zu farbig sind.

Attachements sind Anhang. Der Inhalt ist in der Textnachricht. Informationen in Dateianhängen sind umständlicher zu lesen. Fotos in Postergrösse verstopfen unnötig die Inbox. Für grosse Dateien bietet das Internet bessere Übertragungswege: FTP und P-2-P-Filesharing.

Als Fazit daraus die Tipps fürs E-Mail-Schreiben ohne Sorgen: Texte und Betreffs in menschlicher Sprache schreiben, im Textformat senden und Anhänge nur wenn nötig.

Firmen und ihre Blogger

Den Podcast-Beitrag zum Thema Corporate Blogging auf «IT Conversations» habe ich mir mit grossem Interesse angehört.

In der Gesprächsrunde geht es um folgende Punkte:

  • Wie blog-begeisterte Mitarbeiter die Firmenchefs davon überzeugen, ein Firmenweblog zu starten.
  • Wie Firmen erfolgreiche Blogger einstellen, damit sie über ihre Produkte schreiben.
  • Wie es dazu kommen kann, dass Mitarbeiter wegen ihres Bloggens die Firma verlassen müssen.
  • Dass es auch Blogger gibt, die einmal etwas über die Firma schreiben, deshalb aber noch keine Corporate Blogger sind.
  • Welche Regeln Firmen für bloggende Mitarbeiter aufstellen könnten.
  • Wie Firmen mit dem offenen Meinungsaustausch in Weblogs umgehen sollen.
  • Ob zufriedene Kunden die besten Firmen-Blogger wären.

Unten auf der Seite zum Audio-Beitrag finden sich einige gute Links.

Wie wichtig gute Seiten-Titel sind …

… wird offensichtlich, wenn man mit Später-Lesen- oder Bookmark-Werkzeugen arbeitet.

Es ist eine Anforderung an benutzungsfreundliche Webgestaltung: aussagekräftige Beschreibungen im Seitentitel. Nutzer sind dafür dankbar, wenn sie

  • eine Seite in einem verdeckten Tab oder in der Windows Taskleiste schnell wiederfinden wollen
  • eine Seite aus den Favoriten aufrufen oder die Favoriten neu organisieren
  • eine Seite in einem Bookmarkmanager wie del.icio.us ablegen
  • eine Seite per E-Mail Freunden schicken
  • einen Seitentitel in den Resultaten einer Suchmaschinen angezeigt bekommen.

In allen Fällen kommt dem Text des HTML-Elements <title> eine besondere Bedeutung zu. Er hilft dem schnellen Identifizieren einer einzelnen Webseite.

Klassisches schlechtes Beispiel sind natürlich die abertausend Seiten mit dem Titel Welcome to Adobe GoLive 4. Hier haben die Webmaster gar nichts getan für die Benutzungsfreundlichkeit, sondern einfach stehengelassen, was das Webprogramm vorgab.

Was ist ein benutzungsfreundlicher Seitentitel?

Auf den Inhalt und auf die Reihenfolge kommt es an.

Das Muster, wie ich Seitentitel schreibe, habe ich irgendwo mal so gelesen (ich weiss leider nicht mehr wo):

Titel/Beschreibung des Seiteninhalts + Kategorie + Sitename (oder Firma)

Der Seitentitel sollte 100 Zeichen nicht überschreiten. Das reicht meistens für eine aussagekräftige Beschreibung. Unter Umständen müssen die einzelnen Teile gekürzt werden; jedoch sollten sie nicht fehlen. Zusätzliche Überlegungen zum Seitentitel lassen sich aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung anstellen.

Siehe auch:

Two Kinds of Titles for Web Pages (In-Context and Out-of-Context)

Optimieren für die Leser

Web-Inhalte sollten die Fragen der Besucherinnen und Besucher beantworten und nicht primär für Spitzenpositionen in Suchmaschinen optimiert sein. Das war meine Aussage in einem Gespräch über bessere Platzierung in Suchmaschinen.

Auf die Frage, wie die Position in den Google-Resultaten verbessert werden könne, schlug ich regelmässige Aktualisierungen mit informationsreichen Texten vor. Ich war der Meinung, damit einen doppelten Gewinn zu erzielen: Einerseits geben Suchmaschinen informationsreichen Inhalten eine gute Bewertung. Andererseits – und das ist von wirklichem Nutzen – finden Besucherinnen und Besucher Antworten auf ihre Fragen.

Das Suchmaschinen-Tutorial von Klaus Schallhorn erklärt auf der Seite «Texterstellung und Schreibweise» die Bedeutung von präziser, aussagekräftiger und verständlicher Sprache. Sie hilft Suchmaschinen und Leserinnen und Lesern.

Vor allen Optimierungstricks steht inhaltliche Substanz. Diese zu erreichen, erfordert harte Textarbeit.

Die sechs Regeln des Schreibens im Web

Gute Webtexte schreiben gelingt dann, wenn der Text auf die Leser ausgerichtet und für das Lesen am Bildschirm optimiert ist.

Die Chefin zum Mitarbeiter: «Schreiben Sie einen Text über unseren Geschäftsanlass für die Website.»

In diese Situation hinein schreibt die Textrainerin Merry Bruns ihren Artikel «The Six Rules of Web Writing» (PDF). Sie liefert eine handliche 6-Punkte-Zusammenfassung dessen, was schon viele Male als Anleitung zu gutem Schreiben im Web publiziert wurde. Dabei bleibt der Text beim praktischen Beispiel.

Die sechs Regeln sind:

  • Erstellen Sie Inhalte für Leser.
  • Machen Sie den Mehrwert deutlich.
  • Schreiben Sie so, damit Sie die Leser erreichen.
  • Schreiben Sie kurz und prägnant.
  • Machen Sie den Text leicht zu überfliegen (scannen).
  • Machen Sie den Text interaktiv nutzbar.

Via Writing for the Web.

Text vor Design

Words come before looks in web design

Gerry McGovern wiederholt in seiner neusten NewThinking-Ausgabe die umstrittene These, dass Texte auf einer Website viel wichtiger sind als das Design.

Heftig sind auf Aussagen wie diese die Reaktionen von Designern, denen das Grafische am Herzen liegt. Selbstverständlich wehren sie sich zu Recht. Ohne Form und Farben sähe das Internet heute aus wie 1989.Die Publikationen, die das Primat des Texts vertreten, sind jedoch zahlreich.

Never underestimate the importance of words on the web,

lautete der Imperativ des Artikels A Fairy, a Low-Fat Bagel, and a Sack of Hammers bei A List Apart im November 2003.

Oft zitiert wird die Eyetracking-Studie des Poynter Instituts aus dem Jahre 2000. Online-Leser schauen zuerst auf den Text und erst dann auf Bilder. So das Credo. Basierend auf dieser Erkenntnis formuliert auch der Autor Frank Pucher («Das Usability-Prinzip», 2002) den Satz:

Design spielt keine Rolle.

Auch ich habe für meinen Vortrag Texte fürs Web diese These als (rhetorische) Grundlage benutzt.

Gerry McGovern wiederholt die These aus Berufung, wie es scheint. Immerhin gibt er sich kompromissbereit:

It’s not that the look is not important. Just that, on the Web, words come before looks.

Auf die Kritik, er verstehe nichts von professionellem Webdesign, nimmt er die Site eines Webdesigners auseinander und listet – wohl altbekannte – Kritikpunkte auf.

Texte im Web sind von entscheidender Bedeutung, weil sie meist die wichtigsten Informationen enthalten oder darauf hin weisen. Dass auch der Textproduktion und und der Textpflege die nötige Beachtung geschenkt wird, darauf weist Gerry McGovern hin. Und das tut er ununterbrochen und mit glaubwürdiger Kompetenz.

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