Wer schreibt die Beiträge für das Unternehmens-Blog?

Wenn sich das mittelständische Unternehmen einer Onlinestrategie verschreibt, dann muss Content für die Online-Kanäle erstellt werden. Zu dieser neuen Aufgaben werden intern alle Mitarbeitenden eingeladen. Die Hoffnung ist, dass auf diese Weise authentische Inhalte entstehen, die den Kunden das Unternehmen näher bringt.

Ein einzelner Mitarbeiter, sagen wir ihm Lukas, fühlt sich angesprochen und will mitwirken. Lukas schaut sich die Präsentation an, in der die Geschäftsleitung über die Onlinestrategie informiert hatte. Darin sind Ziele und Personas aufgeführt. Lukas kann sich darunter etwas vorstellen. Er findet die konzeptionelle Vorarbeit bis hierhin recht gelungen.

Lukas überlegt sich, was er im Corporate Blog schreiben könnte.

  • Für welche Zielgruppe? In seiner Arbeit hat Lukas mit Kundinnen und Kunden zu tun. Er kennt ihre häufigsten Fragen und versteht ihre Nutzungssituationen. Also denkt er an diese konkreten Zielpersonen. Sie machen mit Sicherheit eine relevante Gruppe aus, denn sie sind Nutzer des Produkts und können als Multiplikatoren wirken.
  • Welche authentischen Erfahrungen? In vielen Situationen vertritt Lukas das Produkt und das Unternehmen. Im Gespräch hört er von Kunden praxisnahe Anekdoten. Er liefert dazu seine eigenen Geschichten. So macht er das Produkt in diesen Gesprächen erlebbar. Die Konversationen ergeben sich spontan und sind authentisch. Von ihnen gibt es viele, aus denen sich für Berichte schöpfen lässt.
  • Welche nützlichen Informationen? Schon öfters hat eine Erklärung oder ein Vergleich zum Aha-Effekt geführt. Lukas kennt einige bewährte Bilder oder Geschichten, die häufig gut ankommen. Diese Informationen sind nützlich, weil sie den Kunden weiterhelfen. So kann es doch gut sein, dass sie sich auch für viele weitere Leser als wertvoll erweisen.

So hat Lukas ohne viel Aufwand aus seiner eigenen Erfahrung genug Stoff für einen Blogbeitrag gesammelt. Lukas ist bereit, ein Autor für die Unternehmens-News zu sein.

Wie viele Lukas gibt es wohl in Ihrem Unternehmen? Bestimmt ist ihr Engagement wertvoll und sie sind eine grosse Hilfe für die Onlineverantwortlichen mit dem Auftrag, die Onlinekanäle zu befüllen.

Mit Lukas Beitrag gibt es indes für Onlineverantwortliche noch einige Arbeiten zu tun.

  • Abstimmung mit der Content-Strategie. Dient die Geschichte der Erreichung der Ziele? Wird bei der Zielgruppe ein Mehrwert generiert? Diese Beurteilung liegt bei den Onlineverantwortlichen. Ebenso die Kuration der Themen.
  • Redaktionelle Textbearbeitung. Ist der Text einfach geschrieben oder sind zu viele Fachbegriffe enthalten? Die Hoheit für kleine stilistische Anpassungen und Rechtschreibekorrekturen liegt ebenfalls bei den Onlineverantwortlichen.
  • Angaben für SEO und Social Media. Weitere Textoptimierung ist nötig für die beabsichtigte Wirkung in Suchresultaten und Social-Media-Verlinkungen.
  • Bildmaterial bereitstellen. Für eine einheitliche Erscheinung müssen vielleicht interne Richtlinien eingehalten werden. Eventuell wird ein Hausgrafiker beauftragt. Sicherzustellen ist auch die rechtskonforme Verwendung von Bildmaterial.
  • Planen und Veröffentlichen. Wann wird der Beitrag veröffentlicht? Diese Entscheidung ist abhängig vom Redaktionsplan, Unternehmensevents und äusseren Ereignissen. Das Zeitmanagement gehört zu den Kernaufgaben der Onlineverantwortlichen. Zum Veröffentlichen gehören allen Kanäle und die Nachbearbeitung in Social Media.
  • Interne Kommunikation. Mit einer Nachricht an die Belegschaft kann auf die Veröffentlichung von Lukas Beitrag hingewiesen werden. Und so anderen Mitarbeitenden aufzeigen, was auch sie beisteuern könnten.

Will das Unternehmen Beiträge von Mitarbeitenden fördern, ist einige Begleitung nötig. Viele wertvolle Geschichten liegen bereit. Unterschätzen Sie nicht das kreative Potential Ihrer eigenen Leute.
Schliesslich behält indes die Onlinestrategie die Verantwortung für die Onlineaktivitäten.

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Im Online-Marketing auf den Kundennutzen abzielen

Damit unsere Texte bei den Besuchern zu Handlungen führen, müssen wir die Bedürfnisse der Kunden kennen. Welches Werteversprechen in der Botschaft enthalten ist, gibt den Ausschlag in der Kundenentscheidung.

Wenn die Marketing-Abteilung die Aufgabe hat, neuen Inhalt für die Firmenwebsite zu erstellen, stellt sich die Frage, welche Artikel geschrieben werden sollen. Welche Themen sollen in den Social-Media-Kanälen angesprochen werden? Und mit welchen Medien kann ein starker Effekt erzielt werden?

Voraussetzung für erfolgsbringenden Content ist eine starke Produktpositionierung. Herausgearbeitet muss werden, welchen Nutzen die Produkteigenschaften für die Kunden bringt.

Eine Methode, um dies herauszufinden, ist die Value Proposition Canvas. Das Model fragt einen typischen Benutzer nach drei Bedürfnissen:

  • Was ist sein Job, den er erledigt haben will? (Customer Jobs)
  • Was sind Schmerzen, die er vermeiden will? (Pains)
  • Was sind Gewinne, die er erzielen will? (Gains)

Für die Erhebung dieser Benutzerbedürfnisse können Personas dienen, die mit detailliertem User Research untermauert sind.

Kennt die Firma erstmal seine Benutzer und hat die Ansprechgruppen nach Businessrelevanz priorisiert, so kann sie das Produkt und die gesamte Kommunikation auf die Benutzerbedürfnisse ausrichten.

Einen Mehrwert erzielt ein Produkt dann, wenn es auf die drei Benutzerbedürfnisse Jobs, Pains, Gains eine einleuchtende Antwort bietet.

  • Wie kann das Produkt dem Benutzer helfen, seine Arbeit zu erledigen? (Products & Services)
  • Was tut das Produkt, um dem Benutzer seine Schmerzen zu lindern – ohne neue zuzufügen? (Pain Relievers)
  • Auf welche Art verhilft das Produkt dem Benutzer, seine Gewinnziele zu erreichen? (Gain Creators)

Diese Fragestellungen sollten nun bei jedem Produktfeature, bei jedem Verkaufsargument und jeder Onlinekommunikation zu Rate gezogen werden.

Für Marketing-Texte bietet Tinkla eine Methode, die, ähnlich wie die Value Proposition Canvas, Fragen nach den Benutzerbedürfnissen stellt. Ein Schreibblock hat Felder aufgedruckt, die Platz für die Erarbeitung von lesergerechten Texten bieten.
Zuerst macht sich der Schreiber Gedanken zu den Leserinnen und Lesern und entwirft praktisch kurze Personas. Dann werden Stichworte zu ihren Anliegen, Problemen und Zielen gesammelt (Jobs, Pains, Gains). Schliesslich werden daraus Leitfragen für den Text abgeleitet.

Diese sorgfältige Annäherung an Leser, Benutzer, ja Kunden wird sich zeigen in einer Ansprache, die für die Kunden eine echte Überraschung bedeutet. Sie zeigt sich in einer Sprache, die der Welt der Leser entspricht. Und sie transportiert ein grosses Werteversprechen, das kaum auszuschlagen ist.

Einfache Fragen ergeben einfache Texte

Ich erlebte manche Onlineredaktoren, die sich unwohl fühlten, als sie über technische Themen schreiben oder über ein IT-Projekt berichten sollten. Die vorgefasste Meinung war es offenbar, dass dies schwierige Themen seien und deshalb auch der Text mühsam werden würde.

Wie einfach der Text wird, bestimmen schon die Fragen, die wir zum Thema stellen. Ich gehe Herausforderungen mit komplexen Themen oder zumindest ungewissem Inhalt so an, dass ich mir einfache Fragen ausdenke, die ein Betrachter mit natürlicher Neugierde stellen würde. Die Erfahrung zeigt, dass auf einfache Fragen auch Fachleute meist einfache Antworten geben. So gebe ich mit den Fragen also den Blickwinkel auf das Thema, das Mass der Komplexität, schon vor.

Dabei ist es wie im alten Spruch aus der Schule: «Es gibt keine dummen Fragen.» Alle Fragen helfen zunächst ganz natürlich, eine Konversation in Gang zu bringen, in der sich die Gesprächspartner einander im Niveau annähern. Das klappt fast immer und kommt meist ganz angenehm heraus.

Einfache Fragen sind zum Beispiel (jeweils auf das konkrete Thema oder Produkt bezogen):

  • Wie sieht etwas aus?
  • Wer tut was damit?
  • Was ist das Besondere?
  • Was bedeutet es für Sie?

Als Würze dann noch ein paar beeindruckende Zahlen und als Sahnehäubchen einen kleinen Serviceteil mit dem Wo und dem Wann, und fertig ist der Text – jedenfalls eine gute Grundlage dazu erarbeitet.

Beim Schreiben hilft es schliesslich, sich von neuem in die Konversation hinein zu versetzen, damit so der einfache Ton der Antworten im Text erhalten bleibt.

Was und warum? Einleitungstext als Orientierungshilfe

Die ersten ein bis Sätze einer Website helfen den Besuchern sofort zu erkennen, was das Thema ist und welche Informationen zu erwarten sind. Solche Einleitungstexte beantworten das «Was» und das «Warum» ohne Ablenkung und in einfacher Sprache.

Besucher möchten meist am liebsten gleich zur Sache. Wie in einem früheren Beitrag festgestellt, orientieren sie sich nach der nächst möglichen Aktion auf einer Webseite: einen Link klicken oder ein Formular ausfüllen.

Als Erklärung, welche Links und welche Handlungen auf einer Seite zur Verfügung stehen, hilft ein Einleitungstext am Eingang der Seite. Im Oktober 2007 hat Jakob Nielsen festgestellt, dass Einleitungstexte oft viel zu lange sind und von Besuchern meist gar nicht beachtet werden («Blah-Blah Text: Keep, Cut, or Kill?»).

Wie soll also ein Eingangstext auf einer Webseite aussehen, damit Besucher wissen, was sie erwartet, und sie durch die Aktionen geleitet werden – wie in einem natürlichen Gespräch?

Jakob Nielsen wiederholt den alten Ratschlag, Texte für das Web um die Hälfte zu kürzen. Aus dem Bauch heraus auf Papier schreiben wir gerne viel Blah-Blah. Schneiden wir diesen Teil weg, bleiben als Einleitungstext meist ein oder zwei Sätze übrig. Das genügt um einfach zu sagen, worum es auf der Seite geht.

Intro text has a valid role in that it helps set the context for content and thus answer the question: What’s the page about?

Sagen Sie im Einleitungstext kurz und einfach, welche Inhalte auf der Seite sind, warum sie hier so gruppiert sind und was sie gemeinsam haben (Nielsen: «What? Why?»). Ein solcher Text hilft den Besuchern, sich auf der Seite besser zurechtzufinden. Selbst wenn der Text beim ersten Besuch übersprungen wird – vielleicht findet jemand bei einem zweiten Blick die Information hilfreich, um das Gefundene einzuordnen.

Vielleicht ist es nicht immer offensichtlich, was im Einleitungstext stehen soll, wenn ja der Inhalt schon alles klar macht. Im Gegensatz zu einer Zahlentabelle, einer Grafik oder einer Linkliste ist der Einleitungstext in natürlicher Sprache geschrieben. So wie Sie in einem Gespräch den Seiteninhalt in einem oder zwei Sätzen beschreiben würden, so können Sie es im Einleitungstext tun.

Konversationsstil: Natürlicher als klassische Businesskommunikation

Schon lange trage ich einen Eindruck in mir herum, den ich jetzt einmal hier niederschreiben will. Ich bereite mich vor auf mein Referat am Web 2.0-Forum 2007. Das gibt mir Gelegenheit, einige Gedanken zu ordnen und Ideen los zu werden.

Ich habe die Beobachtung gemacht, dass es Profis mit klassischer Kommunikations-Ausbildung oft am schwersten fällt, sich auf den Konversationsstil einzulassen. In vielen Jahren Berufspraxis hat sich in ihnen offenbar ein Schreiben festgesetzt, das oft weit weg von den Möglichkeiten der Onlinekommunikation ist.

Ich denke, es sind die folgenden Gründe, warum die klassische Businesskommunikation nicht unbedingt auf Konversation ausgerichtet ist:

  • Top down. Offizielle Bekanntmachungen von Führungsentscheidungen werden von oben nach unten kommuniziert. Inhalt sind Beschlüsse und nicht Gedankenaustausch.
  • Für Print. Lange waren Broschüren, Newsletter, Mitarbeiter- oder Kundenzeitschriften die allgegenwärtigen Medien. Das gedruckte Wort gilt – am Text kann nichts mehr geändert werden. Antworten werden kaum erwartet.
  • Verknappt. Mit dem immer grösseren Zeitdruck entstand in E-Mails eine immer knappere Sprache. Viele Auslassungen machen die Businesskommunikation effizienter, die Texte aber seelenlos und trocken.

Im Konversationsstil ist jedoch das natürliche Gespräch gefragt. Mit folgenden Tipps versuche ich jeweils, den Konversationsstil ein bisschen verständlicher zu machen.

  • Von Mensch zu Mensch. Erzählen Sie, was Sie gerade erleben. Beschreiben Sie die Situation, in der Sie schreiben, und Ihre Beweggründe dazu. Machen Sie persönliche Empfehlungen. Das alles machen Sie natürlicherweise auch in einem Gespräch mit Ihrer Nachbarin.
  • Für den Dialog. Erwarten Sie natürlicherweise Entgegnungen aus Ihrem Publikum. Erlauben Sie es sich, von den Antworten auf neue Ideen gebracht zu werden. Sie müssen nicht druckreif schreiben. In der Onlinekommunikation können Sie Ihre «unfertige» Sprache später ergänzen oder korrigieren – in einem Kommentar oder einem «Update» des Beitrags.
  • Vernetzt. Es macht nichts, wenn Sie dasselbe mehrmals kommunizieren. Verweisen Sie auf Erwähnungen desselben Themas – auch in anderen Quellen und von anderen Autoren. So vernetzen Sie Wissen und Menschen. Im natürlichen Gespräch tun wir das laufend.

In Blogs wird dieser Konversationsstil gepflegt. Deshalb sind Blogs auch oft noch eine grosse Herausforderung für viele Leute – wohl auch aus der Kommunikationsbranche.

Wie viel Hervorhebung mit Fettschreibung?

Um Webtexte gut lesbar zu machen, ist Fettschreibung eine weitverbreitete und praktische Methode. Am stärksten ist die Wirkung im Zusammenspiel mit Überschriften und Aufzählungslisten.

Diese Woche erlebe ich einmal mehr in der Praxis, wie die Lesbarkeit von Web-Texten durch klare Strukturierung und Hervorhebung mit Fettschreibung verbessert werden kann.

Manchen vorliegenden Texten fehlen eine klare Gliederung und beim Scannen (Überfliegen) des Textes bleibt das Auge kaum an einem packenden Wort hängen.

Um die Lesbarkeit der Onlinetexte zu verbessern, arbeite ich mit Überschriften, Absätzen und Hervorhebung durch Fettschreibung. Dabei habe ich mir überlegt, wie viel Fettschreibung denn gut sei. Im Web habe ich dazu Antworten gesucht.

  • Überschriften sind fett. Wichtigstes Element zur Gliederung eines Textes sind natürlich Überschriften. Sie geben dem Text Struktur und einen logischen Aufbau. Sie enthalten wichtige Wörter. Und sie geben visuelle Anhaltpunkte — typischerweise mit grösserer Schrift und fett.
  • Fett in Aufzählungslisten. Ein sehr wirkungsvoller Einsatz von Fettschreibung pflegt Amy Gahran. In Bulleted Lists: The Online Writer’s Friend schreibt sie über Aufzählungslisten und gibt den Tipp, jeden Listenpunkt mit einem Satz in Fettschreibung anzufangen. Diese Methode wende ich gerade in dieser Aufzählungsliste an.
  • Nur wenige, einzelne Wörter. Zahlreiche Quellen empfehlen einen zurückhaltenden Einsatz von Fettschreibung. Nicht ganze Sätze sondern nur wesentliche Wörter sollten nach Ursula Schulz‘ Kriterien für Content Usability hervorgehoben werden. In Kapitel 15.6 der Guidelines von Usability.gov wird davor gewart, dass zu viel Hervorhebung den Lesefluss bremsen würde. Bei Kerry Redshaw kann man im Artikel Scannability and Readability in Web Writing gar lesen, Fettschreibung wirke unprofessionell. Fettschreibung sollte für Überschriften reserviert sein. Und wenn es doch fett sein soll, dann nur die ersten paar Wörter eines Absatzes, rät Kerry.
  • Lesbarkeit oder Betonung? Die Autoren von Webcredible schreiben in Website content & usability: Bolden two to three words which describe the main point of the paragraph, and not words on which you’re placing emphasis. Dieser Ratschlag mag irritieren, wenn man pflegt, mit dem HTML-Tag <strong> Wörter mit starker Betonung hervorzuheben. Dies im Unterschied zu einer Hervorhebung mittels <b>, die keine Betonung markiert. Werden jedoch die wesentlichen Wörter in einem Absatz mit <strong> hervorgehoben, dann stimmt wohl meistens die Lesbarkeit und die Betonung.

Damit die Fettschreibung auch tatsächlich beim Lesen hilft, ist es vor allem wichtig, ein gleichmässiges Textbild zu schaffen. Zu viel Fettschreibung sorgt für Unruhe. Verschiedenartige Fettschreibung sorgt für Verwirrung.

In der Praxis will ich weiterhin darauf Acht geben, wenige, aber die wesentlichen Wörter mit Fettschrift hervorzuheben.

Für das F-Muster schreiben

An der Webstock Web Conference 2006 hielt Rachel McAlpine eine Präsentation mit dem Titel From plain language to F-language: we’re ready for rules. Darin greift sie die Erkenntnisse aus Jakob Nielsens Alertbox F-Shaped Pattern For Reading Web Content vom 17. April 2006 auf und stellte Regeln für das Schreiben von Web Content vor.

Im Beitrag Oben und links wird gelesen habe ich auf Onlinekommunikation über das F-Muster geschrieben.

Rachel McAlpine spricht von F-headlines, F-summaries und F-links.

F-Überschriften

  • Überschriften dürfen lang sein: 4—10 Wörter
  • Überschriften sollten spezifisch und einzigartig sein, so dass eine Überschriftt nie zweimal vorkommen kann.
  • Die Wörter mit der meisten Information sollten vorne stehen. Die ersten drei Wörter sind wichtig (Rachel nennt dies front-loaded).
  • Überschriften sollten multifunktional sein. Denn sie dienen auch als Link auf der Startseite zum Artikel, als Seitentitel oder als Headline in einem RSS-Feed.
  • Überschriften nach diesen Regeln sparen Geld. Denn Klicks auf einen falschen Artikel wegen einer schlechten Überschrift sind teuer.

F-Zusammenfassungen

  • Der erste Absatz sollte eine Zusammenfassung des ganzen Artikels sein.
  • Rachel spricht von den ersten 16 Wörtern.
  • Auch diese Zusammenfassungen sind wiederverwendbar — zum Beispiel als Teaser oder auch in einem RSS-Feed.

F-Links

  • Links sollten vorne im Satz stehen.
  • In den Links selber sollten auch die ersten drei Wörter die meisten Informationen enthalten.

Rachel macht weiter deutlich, dass mittezentrierte Überschriften und Text in Tabellen wegen des F-Musters beim Lesen schlecht seien.

Zusammen mit den Hinweisen zu einfacher Sprache (plain language) kommt Rachel schliesslich auf die vier Regeln für Web-Content-Schreiber:

Folie von Rachel McAlpine. From plain language to F-language: we’re ready for rules

Die Präsentation gibt es als Video oder Audio zum Herunterladen. Vieles, was ich darin gehört habe, ist mir in Erinnerung geblieben und hat mein Verständnis für das Schreiben für das F-Muster geschärft.

Das Gespräch im Zentrum

In natürlichen, kurzen Gesprächen tauschen wir täglich mit Menschen Informationen aus. Eine Begrüssung — eine Frage — eine Antwort — ein Dank. Wie eine natürliche Konversation unter Menschen ist auch die Onlinekommunikation.

Stellen Sie sich eine Notiz an den Partner am Kühlschrank vor, die dort hängt aber gar nicht beachtet wird. Die Aufmerksamkeit des Partners wird sich nicht auf den Zettel richten, solange nicht in einem Gespräch darauf Bezug genommen wird. Denn der Zettel befindet sich ausserhalb einer natürlichen Konversation zwischen Menschen.

Beachtung finden in einem Gespräch die Inhalte, die in den Fluss der Konversation eingebunden sind. Vergessen gehen Randbemerkungen, die ohne Aufmerksamkeit geäussert wurden.

Im Web findet das Gespräch im Hauptinhaltsbereich einer Webseite statt. Im Optimalfall geht der Text in knapper, menschlicher Sprache auf die beabsichtigten Aktionen der Besucher ein. Klick für Klick folgen Antworten und Hinweise — je nach Lauf der Konversation.

Botschaften in einer Seitenspalte werden kaum wahrgenommen, wenn sie nicht direkt mit der nächsten Aktion des Besuchers im Zusammenhang stehen. Werbebotschaften in einem Teaser oder Zusatzinformationen überspringt das Auge des Betrachters höchstwahrscheinlich. Ja sogar für die Sitenavigation ist mancher Besucher blind, wie Henrik Olsen in Navigation blindness beschreibt. Untersuchungen zur Banner blindness legten nahe, dass auch die Navigation ignoriert würde.

In fact, they found that people tend to ignore any elements that are visually separated from everything else. Their findings suggest that separating navigation areas from the rest of a page may result in navigation blindness.

Im Web sollte deshalb ein Link oder eine Information nicht einfach irgendwo am Rand platziert werden. Die Hoffnung ist schwach, aller Text, der auf der Seite ist, würde dann schon gelesen. Noch eher liest der Partner den Zettel am Kühlschrank.

Dazu noch ein Beispiel: Auf der Seite der Stadtgärtnerei Zürich konnte ich im Inhaltsbereich nichts von den Öffnungszeiten der Schauhäuser lesen. Ich suchte auf mehreren Seiten und fand doch nichts. Das fühlte sich an, als stellte ich in einem Gespräche immer wieder dieselbe Frage, ohne eine Antwort zu bekommen. Geärgert habe ich mich dann als ich endlich sah, dass in der Spalte rechts die Öffnungszeiten angegeben sind.

Universelle Einfachheit

Auf einer Website, die eine breite Gruppe von Menschen anspricht, machen grundlegende Schreibrichtlinien das Lesen für alle Besucher leichter. Unterschiedliche Benutzergruppen profitieren von denselben Text-Empfehlungen, wenn auch aus anderen Gründen.

Diese Aussagen habe ich beim Lesen des Artikels More Alike Than We Think von «UX matters» unterstrichen (auf Papier, mit Bleistift, im Zug):

  • Jugendliche bevorzugen Websites, die leicht zu überfliegen sind und visuelle Anhaltspunkte haben, gegenüber Sites mit dichtem Text.
  • Ältere Menschen überspringen Text, wenn sie auf unbekannte Begriffe stossen, und übersehen somit oft wichtige Informationen.
  • Websites sollten ältere Menschen nicht mit unnötigen Informationen beladen, die sie davon abhalten, ihre Aufgaben auf einer Seite zu erledigen.
  • Menschen mit geringen Sprachkenntnissen ignorieren oft Informationen, die ausserhalb des Haupt-Inhaltbereichs liegen.
  • Alle Benutzergruppen bevorzugten Seiten, auf denen Informationen in kleinen Einheiten dargestellt waren, mit kurzen Absätzen, die jeder einen Gedanken ausdrückten.
  • Ein Link, der die Worte der Benutzer enthielt, also «Was kostet das?», funktionierte besser als «Kosten für das Studium».
  • Beliebt waren Seiten, die die Fragen der Benutzer klar und direkt beantworteten.
  • Niemand beklagte sich, die Seiten seien zu einfach zu lesen oder zu simpel geschrieben.
  • Benutzer waren eher bereit für weitere Informationen auf einen Link zu klicken, falls auf der Seite bereits Teile ihrer Frage beantwortet wurden.
  • Falls der Absatz vor einem Link nicht hilfreich war, war die Erwartung gering, der Link würde witerhelfen.
  • Eine universelle Sprache für verschiedene Benutzergruppen kann sehr gut funktionieren.
  • Information, die für alle Besucher hilfreich und leicht benutzbar ist.

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen der verschiedenen Testgruppen ergaben sich folgende universellen Empfehlungen:

  • Vermeiden Sie lange, dichte Textblöcke.
  • Setzen Sie informative Überschriften.
  • Bieten Sie Navigationsmöglichkeiten im Kontext.

Wie wichtig gute Seiten-Titel sind …

… wird offensichtlich, wenn man mit Später-Lesen- oder Bookmark-Werkzeugen arbeitet.

Es ist eine Anforderung an benutzungsfreundliche Webgestaltung: aussagekräftige Beschreibungen im Seitentitel. Nutzer sind dafür dankbar, wenn sie

  • eine Seite in einem verdeckten Tab oder in der Windows Taskleiste schnell wiederfinden wollen
  • eine Seite aus den Favoriten aufrufen oder die Favoriten neu organisieren
  • eine Seite in einem Bookmarkmanager wie del.icio.us ablegen
  • eine Seite per E-Mail Freunden schicken
  • einen Seitentitel in den Resultaten einer Suchmaschinen angezeigt bekommen.

In allen Fällen kommt dem Text des HTML-Elements <title> eine besondere Bedeutung zu. Er hilft dem schnellen Identifizieren einer einzelnen Webseite.

Klassisches schlechtes Beispiel sind natürlich die abertausend Seiten mit dem Titel Welcome to Adobe GoLive 4. Hier haben die Webmaster gar nichts getan für die Benutzungsfreundlichkeit, sondern einfach stehengelassen, was das Webprogramm vorgab.

Was ist ein benutzungsfreundlicher Seitentitel?

Auf den Inhalt und auf die Reihenfolge kommt es an.

Das Muster, wie ich Seitentitel schreibe, habe ich irgendwo mal so gelesen (ich weiss leider nicht mehr wo):

Titel/Beschreibung des Seiteninhalts + Kategorie + Sitename (oder Firma)

Der Seitentitel sollte 100 Zeichen nicht überschreiten. Das reicht meistens für eine aussagekräftige Beschreibung. Unter Umständen müssen die einzelnen Teile gekürzt werden; jedoch sollten sie nicht fehlen. Zusätzliche Überlegungen zum Seitentitel lassen sich aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung anstellen.

Siehe auch:

Two Kinds of Titles for Web Pages (In-Context and Out-of-Context)

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