Konversationsstil macht das Lernen persönlicher

Haben Sie sich bei Ihrem letzten Online-Kurs, E-Learning oder Instruktionsvideo persönlich angesprochen gefühlt?

Die Forschung zeigt, dass Menschen sich besser auf den Inhalt konzentrieren können, wenn Sie in einem Gespräch mit einem anderen Menschen sind. Dies beschreibt Richard Mayer im Buch E-Learning and the Science of Instruction als so genanntes Personalisierungsprinzip.

Wie diese Tatsache für Online-Lerninhalte genutzt werden kann, zeigt ein Artikel im Blog von Articulate.

Was ich als Konversationsstil bezeichne, also ein persönlicher und „mündlicher“ Stil, sorgt im webbasierten Lernen dafür, dass Lernende viel aufmerksamer sind und das Gelernte zudem erfolgreicher in die Praxis übertragen können.

Unser Gehirn wird direkter angesprochen, wenn eine soziale Komponente ins Spiel kommt. Wann immer wir Menschen am Bildschirm lernen – ob für den Beruf oder die Weiterentwicklung im Hobby – hilft es uns, wenn wir persönlich berührt werden.

So wird Lernen persönlich

  • Persönliche Ansprache. Sprechen Sie das Gegenüber direkt an. Benutzen Sie dazu die 2. Person «du» oder «Sie».
  • Zusammengehörigkeit betonen. Stellen Sie dem «Du» oder «Sie» ein «Ich» oder «Wir» gegenüber. So schliesst sich der soziale Kreis zu einem Miteinander.
  • Mit Fragen anregen. Helfen Sie den Lernenden sich zu reflektieren, indem Sie Fragen stellen. Etwa «Wussten Sie, dass …?»
  • Freundlich formulieren. Menschen fühlen sich angenommen, wenn sie mit Wohlwollen angesprochen werden. Zu knapp gefasste Feedbacks können brüskieren und die Lust am Lernen abtöten.
  • Als Sprecher sichtbar sein. Zeigen Sie sich den Menschen und lassen Sie Ihre Stimme hören. So bauen Lernende eine Beziehung zum vermittelten Thema auf.

Wenn ich mir diese Ratschläge von Richard Mayer ansehe, erstaunt es mich nicht, wie fasziniert ich zum Teil Youtubern zuhören kann und von ihnen viel Neues lerne. Hier liegt ein riesiges Potential wie wir mit unseren Botschaften an die Zuhörenden heran kommen können.

Fremdsprachige Wörter und Fachbegriffe: Stopper im Web

Das Thema weckt bei manchen Menschen Emotionen: Immer häufiger begegnen uns Begriffe auf Englisch — in allen Bereichen unseres Lebens. Unsinnig oder schlicht unverständlich erscheinen oft solche Sprachspielereien. Im Web können sie zu echten Hindernissen werden.

Kürzlich hat eine Umfrage gezeigt, dass englischsprachige Werbesprüche von den meisten Menschen in der Schweiz nicht verstanden werden. Zahlen zu den Lesefähigkeiten in der Bevölkerung weisen darauf hin, dass viele Menschen mit Fremdsprachen überfordert sind.

In kurzen Benutzerbefragungen zu einem Webprojekt hörte ich konstant eine Beschwerde: «Das Englische verstehe ich nicht.»

Im Web suchen Besucher nach vertrauten Wörtern, die ihnen Hinweise auf das geben, was sie auf der Seite erledigen möchten. Treffen Besucher dabei auf fremdsprachige Wörter wird das schnelle Abtasten erstmal gestoppt. Der Besucher muss sich zusätzliche Fragen stellen, was grundsätzlich Steve Krugs Usability-Maxime Don’t make me think widerspricht. Fragen nämlich wie:

  • Kenne ich dieses Wort?
  • Verstehe ich seine Bedeutung?
  • Warum ist es wohl in einer anderen Sprache?

Folgende Problemgebiete sehe ich ausserdem:

  • Fremdsprachige Wörter und Fachbegriffe sind oft nicht natürliche Sprache. In einem Gespräch würden wir diese Wörter wohl vermeiden und darauf achten, dass wir dem Zuhörer angemessen sprechen.
  • Fremdsprachige Wörter sind oft nicht eindeutig, weil die Sprachkenntnisse derjenigen, die sie benutzen, und derjenigen, die sie lesen, unterschiedlich sind.
  • Fremdsprachige Wörter werden womöglich vom Schreibenden falsch eingesetzt, so dass ihre Bedeutung nicht einmal verständlich ist, wenn der Leser die Wörter kennt.
  • Hinter fremdsprachigen Wörtern versteckt sich oft Unsicherheit des Schreibenden, wie ein Begriff treffend zu bezeichnen wäre.
  • Fremdsprachige Wörter und Fachbegriffe können elitär wirken und schliessen damit Leute aus.
  • Auch Internet-Modewörter (Beispiel «Podcast») sind Stopper. Die Schwierigkeit besteht hier, dass auch einigermassen etablierte Begriffe erst noch bekannt gemacht werden müssen.

Hier geht es nicht um Sprachhüterei. Sondern um die Beobachtung, wie fremdsprachige Begriffe Lesern das Zurechtfinden auf einer Website erschweren können.

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